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Pixel: Weniger ist mehr

Webdigital-Leser wissen es schon lange: Die Pixelmenge alleine entscheidet nicht über die Bildqualität. Vor gut zwei Jahren startete Image Engineering die Initiative „6 Megapixel“. Dahinter stand die Erkenntnis eines der weltweit führenden Testlabors, dass der Anstieg der Pixelzahlen auf größenbegrenzten Kamerasensoren die Bildqualität verschlechtert – im Gegensatz zu der in der allgemeinen Öffentlichkeit verbreiteten Annahme: „Je mehr Pixel desto besser“.

 Jetzt zeigt die Initiative deutliche Wirkung auch in konkreten Produkten: Zahlreiche aktuelle Digitalkameramodelle wie Lumix TZ7, Fuji F70 oder Canon G11 haben die Anzahl der Bildpunkte reduziert und liefern den Verbrauchern deutlich bessere Bilder. Für welchen Bildsensor welche Megapixelanzahl ideal ist, welche Vorteile sich darüber hinaus für den Anwender ergeben, wie die Initiative weitergeht und wie die Zukunft der Sensortechnologie in Digitalkameras aussieht, erklärt Dietmar Wueller, Gründer von Image Engineering und Initiator der „6 Megapixel-Initiative.“

Herr Wueller, erklären Sie doch bitte noch einmal kurz, warum – entgegen vielen Aussagen in der Werbung der Hersteller – zu viele Pixel zu weniger Bildqualität führen.

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Dietmar Wueller: „Das lässt sich einfach erklären. Zum einen werden Sensoren bei zunehmender Bildpunkt-Anzahl ja nicht größer, sondern eine gleichgroß bleibende Fläche unterteilt sich immer stärker. Das heißt, pro Pixel steht eine geringere Menge an Licht zur Verfügung, ein Nachteil, der elektronisch kompensiert werden muss, was wiederum zu schlechterer Bildqualität führt. Darüber hinaus sind Pixel heute so klein, dass wir an die physikalischen Grenzen der Detailwiedergabe von Objektiven gelangen. Das bedeutet: Feine Details können von dem jeweiligen Objektiv nicht mehr abgebildet werden.“

Gilt diese Regel auch für SLR-Kameras oder ausschließlich für Kompaktmodelle? Und wenn ja, warum?

Dietmar Wueller: „Diese Problematik ergibt sich vor allem bei Kompaktkameras, weil bei Spiegelreflex-Modellen die Sensoren prinzipiell größer sind. Dadurch ergibt sich eine entsprechend größere Fläche für die Bildpunkte. Aber natürlich ist auch bei SLR-Kameras irgendwann die Grenze nach oben erreicht, wo mehr Bildpunkte die Bildqualität verschlechtern. Aber das ist heute noch nicht der Fall.“

Was sind Ihre bisherigen Erfahrungen auf der eigens eingerichteten Internetseite 6mpixel.org? Was für ein Meinungsbild ergibt sich dort?

Dietmar Wueller: „Wir haben von den Anwendern aus allen Teilen der Welt durchweg Zustimmung für diese Initiative erhalten; und vor allem: Viele Anwender bestätigen durch ihre eigenen Erfahrungen, dass Kompaktkameras mit vielen Megapixeln in der Praxis Qualitätsprobleme haben.“

Wie kann der Kunde sicher sein, dass er eine Kamera mit einem optimal mit Megapixel bestückten Sensor kauft?

Dietmar Wueller: „Die Empfehlung ist vor allem, sich in der einschlägigen Fachpresse zu informieren, weil dort entsprechende Tests und Vergleiche publiziert werden. Die technischen Datensammlungen der Kameras geben leider keinen Aufschluss über die tatsächliche Bildqualität.“

Welche Vorteile ergeben sich durch eine Reduktion der Auflösung noch? Welche Auswirkungen hat das zusätzlich auf die Bildqualität?

Dietmar Wueller: „Eine geringere, optimale Pixelzahl sorgt für eine bessere Wiedergabe sowohl was die Feinheit des Details angeht sowie hinsichtlich geringerer Störungen vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen. Darüber hinaus können Kameras mit niedrigeren Megapixeln höhere Kontrastverhältnisse bewältigen, haben also einen größeren sogenannten Dynamikumfang.“

Gibt es Empfehlungen an die Kamerahersteller, welche Sensorgrößen und/oder -arten am besten mit welcher Bildpunktanzahl bestückt werden?

Dietmar Wueller: „Im Prinzip gibt es solche Empfehlungen, sie sind unter anderem auf unserer Internetseite veröffentlicht. Generell sollte die Größe eines einzelnen Bildpunktes über 3 µ betragen. Das ergibt beispielsweise für einen APS-C-Sensor eine maximale Bildpunktanzahl von 37 Megapixeln, bei einem 4/3-Sensor von 27 Megapixeln und einem 1:2.5-Sensor von 2,7 Megapixeln. Dies sind alles Richtwerte, aber sie vermitteln eine gewisse Größenordnung.“

Ihre Initiative startete in 2008 mit der Aussage, dass 6 Millionen Bildpunkte für eine optimale Bildqualität reichen. Kann man sagen, dass heute 8 oder 10 Megapixel das Optimum darstellen, vielleicht durch eine verbesserte Produktion bei der Sensorherstellung?

Dietmar Wueller: „Grundsätzlich stimmt das: Die Größe der Sensoren ist leicht gestiegen, das bedeutet eine größere Fläche und dies wiederum mehr Platz für mehr Bildpunkte, ohne dass es zu den genannten Problemen hinsichtlich der Bildqualität kommt. Außerdem sind die Produktionsmethoden tatsächlich verbessert worden. Deshalb kann man heute sagen, dass 8 oder auch 10 Megapixel bei einer Sensorgröße von 1:1.8, die in vielen Kompaktmodellen verwendet wird, ein guter und sinnvoller Wert ist.“

Wie geht es mit der Initiative „6 Megapixel“ weiter? Was bleibt noch zu tun?

Dietmar Wueller: „Obwohl insgesamt schon eine Menge erreicht wurde: Das „Pixel-Rennen“ ist noch nicht vorbei. Aktuell sind es vor allem die Mobile Phones, bei denen die möglichst vielen Megapixel zu irreführender Aussage über die Bildqualität herangezogen werden. Bei diesen sehr kleinen Sensoren machen hohe Pixelzahlen keinen Sinn, denn dadurch erscheint das beste Objektiv als Flaschenboden. Es gibt außer der Pixelanzahl noch viele Bereiche in der digitalen Fotografie, bei denen es Erklärungsbedarf gibt. Wir werden uns auf der Seite 6mpixel.org auch in Zukunft diesen Themen wie der Auslöseverzögerung oder dem Rauschen bei schlechten Lichtverhältnissen widmen und zur Aufklärung der Verbraucher beitragen.“

Dietmar Wueller
www.image-engineering.de
6mpixel.org

 


 
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